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Die große weite Welt lockt doch über die Hälfte der deutschen Studierenden, die während ihres Studiums ins Ausland gehen, entscheidet sich für ein europäisches Gastland. Dies hat in vielen Fällen finanzielle Gründe: Selbst wenn im Gastland Studiengebühren erhoben werden, sind diese oft geringer als in Übersee oder sie werden aufgrund von vielen bestehenden Partnerschaftsvereinbarungen zwischen der Heimathochschule und der Gasthochschule übernommen. Finanzielle Unterstützung erhalten eine Reihe von Studierenden auch durch das 1987 von der EU ins Leben gerufene Erasmus-Programm. Nicht zuletzt sind An- und Abreise oder Stippvisiten in die Heimat innerhalb Europas kostengünstiger. Auch ‚psychologische’ Gründe mögen eine Rolle spielen. Viele Studierende genießen die Vertrautheit des europäischen Flairs und suchen bewusst nicht die (vermeintliche) Exotik. Durch Reisen mit der Familie oder mit Jugendgruppen wurde das europäische Ausland vielfach schon erkundet und erscheint dadurch weniger fremd.
Trotz hoher Lebenshaltungskosten wird Großbritannien von deutschen Studierenden weltweit allen Ländern vorgezogen. Dies hängt sicherlich mit der Landessprache Englisch zusammen. Zudem sind den meisten deutschen Studenten das britische Bildungssystem und die Lebensweise der Briten durch den Englischunterricht in der Schule besonders gut vertraut. Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes Ende 2006, waren 2004 16% aller deutschen Studierenden im Ausland an einer Hochschule im Vereinigten Königreich eingeschrieben. Unsere direkten Nachbarstaaten Frankreich (2004: 9,4%), die Niederlande (2004: 11,8%), die Schweiz und Österreich (mit jeweils etwa 10% im Jahr 2004) erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit.
Bei den Studierenden, die 2004 über das Erasmus-Programm ins europäische Ausland gegangen sind, standen Spanien (4710 deutsche Erasmus-Studenten) und Frankreich (4306 deutsche Erasmus-Studenten) an der Spitze. Erst an dritter Stelle folgte das Vereinigte Königreich. Allerdings sagen diese Zahlen nicht unbedingt etwas über das tatsächliche Wunschgastland aus. Nicht für alle Länder stehen genügend freie Erasmus-Plätze zur Verfügung, so dass einige Studierende auf Länder ausweichen, die zunächst nicht ins Auge gefasst wurden. Ein großer Vorteil an der Teilnahme des Erasmus-Programms sind neben der Finanzspritze sicherlich die organisatorischen Hilfestellungen. Aufgrund des langjährigen Bestehens des Programms, wissen Ansprechpartner an der Heimathochschule und im Gastland, welche Dinge zu beachten sind. Moralische Unterstützung erhält der Studierende durch die Gruppe: Man ist Teil der Erasmus-Community und die Erasmus-Partys sind europaweit legendär.
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